Posted by: kellermax | February 26, 2006

Der Wochenspiegel

Nachdem Tanja mich am Dienstag morgen verlassen hatte musste ich mich natürlich sehr ablenken um nicht dem Gefühl der Einsamkeit anheim zu fallen. Da kamen verschieden Aktivitäten wie Trinken, Ausgehen, Trinken, Sport, Trinken, etc. gerade recht.

Aber von Anfang an: Dienstag abend habe ich wieder mit Erik Squash gespielt. Anschließend war ich im Eg, da gibt es Dienstag abend immer einen Pub-Quiz. Wir haben als Internationals-Team mitgemacht. Und die Fragen sind ober-hammer-krass-scheiße-SCHWER!! Aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Das wär definitiv was für Jan & Tobias, da viele Fragen TV-Serien und Filme betrafen – eher nicht so meine Stärke. Peinlicherweise bin ich dann auch bei den Literaturfragen völlig durchgefallen – wie konnte ich auch vergessen, dass es Boris Pasternak war, der den Dr. Schiwago schrob….

Mittwoch abend wollten wir uns ein Eishockey-Match der “Belfast-Giants” ansehen. Der Club hatte die Chance die UK-Meisterschaft zu gewinnen. Leider waren wir zu spät und die Halle war schon ausverkauft. Daher gab es als Alternativ-Programm eine kleine Pub-Runde, die sehr lustig war, da John aus Boston definitiv das Zeug zum Komiker hat. War also ein sehr gutes Alternativprogramm – zumal die Belfast Giants 5:2 auf den Sack gekriegt haben und so vier Pints o’ Guinness auch ordentlich Spass machen.

Donnerstag sind meine schwedischen Freunde dann abgeschissen und wollten wegen einer Präsentation, die vorzubereiten war, nicht ausgehen. Dementsprechend habe ich mir halt andere Saufkumpanen gesucht und auch gefunden. Wieder im Eg gewesen, obwohl der Laden eigentlich nicht mein Fall ist – aber die Lady’s stehen halt drauf. R’n'B und son kack, aber wenn man halt keinen findet, der mit gegenüber ins Bot geht, dann will man halt auch nicht allein…

Freitag abend wollten wir dann endlich mal richtig klassisch-irische Live Musik haben. Die Schweden waren wieder mit dabei, und wir hatten letztendlich zwei sehr gute Singer/Songwriter…eine Lady, die im “Katy Daly’s” ein relativ zeitgenössisches Repertoire zum besten gab und einen Herrn in den Mittvierzigern mit irischen Folk-Songs. Exzellenter Abend, exzellentes Bier: Smithwicks, ein dunkles Lager – sehr zu empfehlen!

Samstag war dann der Geburtstag von Barbara. Die Gute ist aus München, also nicht wirklich aus Deutschland. Beim vorglühen (schwedisch: före fest) in ihrer Küche bekam sie ein kanadisch/amerikanisches Geschenk: Fünf Aufgaben, die es an diesem Abend zu erfüllen galt: 1. Küsse ein Mädchen (french kissing!!! Anm. d. Red.); 2. Küsse einen Jungen (french kissing!!! Anm. d. Red.) 3. Insgesamt 23 Küsse am Abend bekommen 4. Insgesamt 23 mal einen Klaps auf den Popo bekommen und 5. Einen Bodyshot mit einem Jungen trinken. (Anm. d. Red: Beim Bodyshot setzt sie sich auf seinen Schoß, er beugt sich nach hinten und nimmt ein gefülltes Schnapsglas in den Mund. Sie beugt sich über ihn, dann er sich über sie und sie muss es hinbekommen, das Schnapsglas leer zu trinken…).

Es ist wohl ein typisch amerikanischer/kanadischer Brauch sich an seinem Geburtstag von Freunden total zum Depp machen zu lassen – für deutsche Spießigkeit eher schwer vorstellbar. Dementsprechend schwer tat sich Barbara dann auch, aber sie hat sich nach einigen Wodka-Lemons sehr tapfer geschlagen. (Wär ja auch gelacht…sie hat sich mit deutscher Gründlichkeit sehr gründlich zum Deppen gemacht.)

Ich merke gerade, dass es eigentlich ziemlich fies ist, derlei Dinge im Internet einem breiten Publikum zugängig zu machen – Fotos gibt es daher keine, das geschriebene Wort ist schon bösartig genug…Asche über mein Haupt…aber wir haben gut gelacht…Andererseits…in Amerika ist das völlig normal…Vielleicht ist es meine eigene Spießigkeit die mir jetzt einredet, dass die Sache peinlich war…man kann sich ja auch mal zum Affen machen, oder? Zumal wenn man es absichtlich tut, dann ist es ja nicht so peinlich als wäre es Zufall gewesen.
Ja, und am Sonntag gab es im Fernsehen das Eishockey Finale um Olympisches Gold: Schweden – Finnland. Das wollten die Schweden dann natürlich im Fernsehen anschauen, wie ihr Team (Tre Krona) sich schlägt. An dieser Stelle Glückwunsch nach Schweden zum Gewinn der Goldmedaille in o.g. Disziplin!

Wie ihr seht, es war eine Party-Woche für mich. Aber wer hat auch schon ernsthaft erwartet, dass ich im Land der Pubs still in meinem Kämmerchen sitzen würde? Zumal wenn Tanja gerade wieder von mir gegangen ist und ich die Einsamkeit mit Bier und Aktivitäten vergessen machen muss….

Und nur um Euch zu beruhigen: ein bißchen studieren tu ich auch noch. Meistens Vormittags. Keine Angst.

Gruß aus Belfast

Max


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