Einige Gedanken zu Leadership

Kürzlich fragte mich eine Kollegin, die nebenberuflich studiert, ob ich sie bei ihrer Bachelorarbeit unterstützen will. Da ich Charakterzüge des Wals habe (und wenn man genau hinschaut auch der Eule, fürchte ich), habe ich natürlich sofort zugsagt. Die Kollegin führt für die Bachelorarbeit Experterninterviews durch zum Thema Leadership. Genaugenommen “Digital Leadership – Führung in einer digitalisierten Arbeitswelt”. Und da ich seit Ende letzten Jahres ein Team mit mittlerweile 3 Mitarbeitern führe, gelte ich damit sogar schon als Experte. Wie erfreulich!

Das Interview besteht aus sieben Fragen, welche ich zusammen mit meinen Antworten nun auch hier veröffentliche.

Wird in ihrem Unternehmen bereits aktiv die Personalentwicklung auf das Thema Digital Leadership ausgerichtet, z.B. durch Trainings?

Nein, jedenfalls nicht gezielt.  In diesem Bereich bilde ich mich in meiner Freizeit weiter. Ich habe das Buch „The Way of the Shepherd“ auf Empfehlung eines Freundes angeschafft und mit Gewinn gelesen. Ansonsten folge ich diversen Blogs (z.B. aus der Rubrik „Arbeiten und Leben“ des Branchen-Newsletters von Xing). Außerdem schaue ich mir bei Youtube TED-Talks an, insbesondere von Simon Sinek, einem Leadership Experten, der mich sehr inspiriert hat.

Falls ja, können Sie einige Beispiele von Entwicklungsmaßnahmen nennen?

Im Jahr 2013 und 2014 nahm ich am „Emerging Talents“ Programm meines Arbeitgebers teil, als ich noch keine Führungsverantwortung hatte. Dabei wurde ein Tagesseminar von Henno Janmaat angeboten, in welchem es um „Leadership best pracitce sharing“ ging. Ich habe an diesem Seminar gerne teilgenommen und vor kurzem auch das Buch von Henno Janmaat „Oops, I’m the boss“ wieder gelesen.

Können Sie in 2-3 Sätzen kurz erläutern, wie Sie Digital Leadership definieren würden.

Für mich ist digital Leadership nicht unbedingt digital – es ist nur in einer zunehmend digitalen Zeit wichtig, Leadership neu zu denken. Für mich ein besonders wichtiger Aspekt (und dabei ist der Begriff „digital“ fast schon fehl am Platz) ist die persönliche Interaktion. Es ist mir sehr wichtig für meine Mitarbeiter „da zu sein“ und zwar im wörtlichsten Sinne. Ich versuche mir jeden Tag Zeit zu nehmen, um die Mitarbeiter zu begrüßen und ein kurzes persönliches Gespräch zu führen. Ich versuche herauszufinden was sie beschäftigt und bewegt und dabei gleichzeitig zu vermitteln, was ich von ihnen erwarte. Ohne dieses zwischenmenschliche Vertrauen, glaube ich, kann kein moderner Leader zufrieden sein. Dazu gehört auch, dass ich meinen Mitarbeitern Vertrauen schenke, dass sie ihre Aufgaben so erledigen, wie ich es mir wünsche. Ich habe das Glück, sehr zuverlässige Mitarbeiter zu haben, die dieses Vertrauen nicht ausnutzen.

Bitte nennen Sie vier Maßnahmen des Führungsverhaltens (z.B. Ab- / Aufbau von Hierarchien, etc.), welche die Unternehmensführung im digitalen Zeitalter verbessern würden.

Zunächst würde ich das versuchen das menschliche Miteinander wieder zu fördern. Für die Mitteilung von Fakten sind Emails und Nachrichten hervorragend geeignet. Für Feedback oder Persönliches überhaupt nicht. Daher würde ich verstärkt auf persönliche Meetings und Treffen setzen und diese auch in den Unternehmensrichtlinien festlegen.
Gleichzeitig würde ich generell in allen Meetingräumen auf ein vollständiges Smartphone-Verbot setzen. Das zwingt die Mitarbeiter sich miteinander zu beschäftigen und führt (hoffentlich) zu mehr Verständnis und Kollegialität.
Um der ausufernden Arbeit Herr zu werden, würde ich einen generellen Zeitraum definieren, während dessen für 1,5 bis 2 Stunden alle Telefonate und Meetings verboten sind, sodass jeder Mitarbeiter die Gelegenheit erhält sich konzentriert mit seinen Aufgaben zu beschäftigen.
Über KanBan oder ähnliche Methoden des Agile Management würde ich versuchen Transparenz über die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter zu schaffen, um so Über- bzw. Unterbelastung von einzelnen Mitarbeitern zu vermeiden, welche langfristig zu schlechterer Performance führt. Dabei können beispielsweise bestimmte vorab definierte Aufgaben ans Team delegiert werden, um so Freiräume für andere Tätigkeiten zu schaffen.
Dabei sollte das Team mit einbezogen werden.

Bitte nennen Sie vier Maßnahmen des Führungsverhaltens (z.B. stärkere Fokussierung auf den Mitarbeiter, mehr / weniger Flexibilität bei der Arbeitsplatzgestaltung, etc.), welche die Mitarbeiterführung im digitalen Zeitalter verbessern würden.

Chef, beziehungsweise Führungskraft, sollte man Vollzeit sein, ohne zusätzliche Belastung durch weitere Operative Tätigkeiten. Um den Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht zu werden, ihre Bedürfnisse zu verstehen, ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen und sie auf ihrem Weg adäquat fördern zu können, benötigt eine Führungskraft Zeit. Diese Zeit wird von der nächsthöheren Führungsebene häufig nicht gewährt, sodass die eigentliche Führungsaufgabe in der Folge zu kurz kommt. Langfristig wandern so Mitarbeiter ab, da sie sich mit ihren Stärken, Schwächen und Wünschen von der Führungskraft nicht ernst genommen fühlen.
Führungsverhalten bedeutet dann eben auch, dass die Führungskraft erkennt, welche Ansprache der Mitarbeiter benötigt – dies kann gerne im offenen Dialog mit dem Mitarbeiter festgelegt werden, sofern die Mitarbeiter reflektiert genug sind (auch das sollte ermutigt werden) zu wissen was sie brauchen. Möglicherweise fühlt sich ein Mitarbeiter bereits kontrolliert, wo ein Anderer sich klarere Vorgaben und Führung wünscht. Dem gerecht zu werden ist für Führungspersonen extrem schwierig.
Eine offene Fehler- und Feedback-Kultur sind unabdingbar für moderne Führung. Fehler sind menschlich und passieren immer wieder und überall. Sie sind eine Gelegenheit zum Lernen und sich zu verbessern. Daher sollte mit Fehlern offen umgegangen werden und sie sollten im Team diskutiert werden, otpimalerweise, um eine Lösung herbeizuführen, die den Fehler künftig vermeidet oder unmöglich macht. Gleichzeitig muss Feedback immer konstruktiv sein. Feedback ohne Verbesserungsvorschlag ist am Ende nur „Motzerei“.

Bitte beschreiben Sie kurz, wie Sie ihr eigenes Führungsverhalten auf die sich ändernden Rahmenbedingungen im Sinne des Digital Leadership anpassen.

Ich bemühe mich meine Mitarbeiter in den Mittelpunkt meines Arbeitslebens zu stellen. Dies gelingt mir nur mäßig, da ich die Führungsaufgabe zusätzlich zu meinen fachlichen Aufgaben übernommen habe.
Insbesondere versuche ich mich an die Regel aus dem Buch „The way of the shepherd“ zu halten: Wie ein Schäfer seine Herde führt und dazu präsent sein muss, versuche ich meine Mitarbeiter regelmäßig zu treffen und sie an ihrem Arbeitsplatz aufzusuchen. Dabei versuche ich herauszufinden was sie (auch privat) beschäftigt. (Davon abgesehen, dass es hoffentlich den Mitarbeitern gut tut, tue ich es nicht nur aus diesem Zweck, sondern weil ich tatsächlich ein Interesse an meinen Mitarbeitern habe. Strebt jemand eine Führungsposition an ohne wirkliches Interesse an Menschen zu haben – möglicherweise wegen des Status der Position oder der Karriere – dann kann sich das auf die Führung langfristig nur negativ auswirken).
Bei den Gesprächen versuche ich das „Warum“ klar zu machen. Warum möchte ich bestimmte Dinge erledigt haben, warum auf eine bestimmte Art und Weise (Das kommt von Simon Sineks TED Talk „Start with why“). Ich hoffe, dass so die Motiviation der Mitarbeiter steigt die Tätigkeiten auszuführen, weil sie das höhere übergeordnete Ziel ihrer Tätigkeit erkennen können. Es ist natürlich schwierig ein solches Ziel für die Mitarbeiter vorzugeben, wenn man von seinen eigenen Führungskräften keine solchen Ziele vorgegeben bekommt oder sogar widersprüchliche Ziele.
Außerdem versuche ich klar zu priorisieren. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich wie belastend es sein kann, keine klaren Prioritäten zu erhalten und dann selbst entscheiden zu müssen welche Tätigkeiten man zuerst ausführt.
Administrativen Aufgaben im Zusammenhang mit meinen Mitarbeitern räume ich hohe Priorität ein. Urlaub, Krankmeldungen, Mehrarbeitsanträge, Reiseanträge etc. bearbeite ich so schnell wie möglich, um den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass sie meine höchste Priorität sind (davon abgesehen: sie sind es wirklich. Wie bereits oben schon gesagt: ist dies nicht der Fall, ist man für eine Führungsposition eigentlich ungeeignet). Dass man gewissermaßen authentisch ist, ist diesbezüglich unabdingbar.
Leider muss ich feststellen, dass ich mit meiner Führungsaufgabe häufig noch überfordert bin. Die Führung zusätzlich zu den Fachaufgaben zu erledigen benötigt viel Zeit wenn man es ernsthaft erledigen möchte. Außerdem bin ich noch oft unsicher wie ich mich in manchen Situationen verhalten soll. Das Feedback der Mitarbeiter ist natürlich auch gefiltert – sie wollen es sich ja mit ihrem Chef nicht verscherzen. Das macht es natürlich um so schwieriger mein Verhalten zu verbessern.

Können Sie kurz beschreiben, welche Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen (je drei Nennungen) aus Ihrer Sicht Führungskräfte in der Zukunft entwickeln müssen, um im digitalen Zeitalter Führungsaufgaben übernehmen zu können?

Fachkompetenzen sind vergleichsweise irrelevant. Eine Führungskraft sollte natürlich fachlich in der Lage sein zu erkennen was ihre Mitarbeiter tun und ob sie es gut oder schlecht tun. Dies lässt sich aber vergleichsweise schnell erlernen, zumal eine Führungskraft im Tätigkeitsbereich zumeist vorher schon auf fachlicher Ebene gearbeitet hat.
Zur Methodenkompetenz sollten Moderationstechniken gehören, um Meetings und Workshops moderieren zu können und entsprechend bei Problemen (z.B. persönlichen Angriffen, Streit der Mitarbeiter o.ä.) reagieren zu können. Außerdem sollten generelle Problemlösestrategien zum Repertoire einer Führungskraft gehören, um bei administrativen oder technischen Problemen die Mitarbeiter bei der Lösungsfindung anleiten zu können. Ebenso halte ich methodische Kenntnisse aus dem Bereich des agilen Managements für wichtig, um administrative Prozesse und Arbeitsteilung im Team effizient gestalten zu können.
Im Bereich der Sozialkompetenz sollte eine gute Führungskraft in der Lage sein die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erkennen. Benötigen sie enge oder weite Führung, benötigen sie Unterstützung. Dabei muss die Führungskraft in der Lage sein, den Mitarbeitern auch unangenehme Nachrichten, Verbesserungsvorschläge und Feedback so zu überbringen, dass der Mitarbeiter sich nicht schlecht dabei fühlt. Im Grunde muss die Führungskraft es schaffen, dass ein tiefes Vertrauensverhältnis entsteht: eine Rüge, ein Verbesserungsvorschlag oder ein „so nicht“ sollen den Mitarbeiter nicht „in die Pfanne hauen“ sondern ihn dazu bringen sich zu verbessern. Im Grunde darf gerne eine Art „Eltern-Kind-Beziehung“ entstehen. Kinder zu erziehen, erfordert von Eltern auch mal „nein“ zu sagen, Regeln aufzustellen, Verbote einzuführen und durchzusetzen. Auch wenn das Kind sich darüber ärgert, dient es am Ende seinem Besten. Dieses Bewusstsein beim Mitarbeiter zu erzeugen, dass es der Führungskraft um das Wohl und die Weiterentwicklung des Mitarbeiters geht, ist wohl die schwierigste Aufgabe überhaupt für eine Führungskraft.
Zu guter Letzt gehört zu den Sozialkompetenzen einer guten Führungskraft auch eigene Fehler einzugestehen und sich dafür zu entschuldigen.

Anmerkungen: Bitte schreiben Sie gerne Ihre Gedanken und Ansätze auf sofern Sie denken, dass diese einen Einfluss auf die Führung in der digitalen Arbeitswelt haben.

Wir Menschen hatte Millionen Jahre Zeit, um uns biologisch zu dem zu Entwickeln was wir heute sind. Das bedeutet aber auch, dass wir biologisch dem technischen Fortschritt nicht hinterherkommen. Das hat vor allem drei Folgen:
Erstens, wird das Netzwerk unserer (digitalen) Bekannten immer größer und größer. Am Ende größer als die magische Zahl 150, die für uns Menschen in kleinen sozialen Gruppen der Jäger und Sammlerzeit Sinn machte. Dementsprechend leidet die Qualität der Beziehungen – wir haben Qualität durch Quantität ersetzt. In persönlichen Krisen (Trauerfälle, Depression, Sinnkrisen, Trennungen) zählt jedoch die Qualität.
Zweitens, fehlt bei digitaler Kommunikation die hormonelle Komponente. Interagieren wir mit unserer sozialen Gruppe, werden die Botenstoffe Serotonin und Oxytocin ausgeschüttet. Dadurch entsteht ein Wohlgefühl, ein Zusammengehörigkeitsgefühl und es entstehen qualitativ hochwertige Beziehungen. Bei digitaler Kommunikation fehlt diese Ausschüttung und die Kommunikation bleibt auf der inhaltlichen Ebene – sie befriedigt uns nicht emotional und es entsteht keine gute zwischenmenschliche Beziehung.
Drittens haben wir durch den schnellen technischen Wandel keine Zeit, um eine Etikette für die Nutzung der digitalen Medien zu entwickeln. Beim Telefon gibt es noch gewisse Regeln, wie z.B. diese: nach 20h rufe ich eher nur noch bei Leuten an, die ich sehr gut kenne. Nach 22h rufe ich nicht mehr an, der Angerufene liegt möglicherweise schon im Bett. Halte ich mich nicht an vorangegange Regeln, liegt wahrscheinlich ein Notfall vor. Bei der Nutzung von Email, Facebook, WhatsApp und Instagram haben wir solche Regeln noch nicht entwickeln können – solche Regeln sind normalerweise nicht explizit formuliert, sondern entspringen implizit einem gewissen Gefühl für die Situation, welches sich durch Beobachtung unserer Mitmenschen und Imitation entwickelt. Diese Entwicklung benötigt jedoch Zeit, die wir aufgrund des schnellen technischen Fortschritts nicht mehr haben.

Moderne Führung (und genau genommen die gesamte Gesellschaft) sollte deshalb einige Dinge beachten:
Zum einen muss die Qualität der Beziehungen verbessert werden. Wir benötigen weniger Smartphone und mehr direkte Interaktion, denn nur diese wird die Botenstoffe ausschütten, die für den Aufbau gesunder zwischenmenschlicher Beziehungen notwendig sind.
Zum anderen müssen wir implizite Regeln durch explizite Regeln ergänzen. Eine Abteilung oder Team kann dann zusammen mit der Führungskraft festlegen, wie beispielsweise die Kommunikation aussehen sollte. Nutzen wir WhatsApp oder nicht? Wer kommt bei der Email in Kopie und wer ist der Empfänger? Wie haben Empfänger und die Person in Kopie auf die Email zu reagieren? Bis zu welcher Uhrzeit muss ich noch auf Emails reagieren, ab wann kann (und soll!) ich sie bis zum nächsten Tag liegen lassen. Gibt es klare Zeichen, wann ich einen Kollegen stören darf und wann er sich fokussieren muss? Hierzu einen Konsens zu fassen wird vermutlich sehr schwierig, da alle Menschen eine unterschiedliche Auffassung haben. Ein Austausch darüber wird aber mindestens dazu führen, dass man sich der unterschiedlichen Auffassung bewusst werden kann und dadurch das eigene Verhalten und das Verhalten der Kollegen sich relativiert – möglicherweise wirke ich mit meinen Handlungen auf meine Kollegen ganz anders als beabsichtigt (Schroff statt ehrlich? Aufdringlich statt zugewandt? Abwesend statt distanziert?).

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Den Überblick behalten – Teil 2

Im letzten Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie ich versuche an den richtigen Dingen zu arbeiten. In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie man richtig an den Dingen arbeitet. Dabei liegt das Augenmerk hier weniger auf dem Inhalt und mehr auf den Rahmenbedingungen.

Ablenkungen sind in der heutigen Welt überall. Das Smartphone schickt uns Push-Nachrichten, Outlook bimmelt bei jeder Email und macht ein kleines Fensterchen auf, und und und. Wenn man es sich aber nicht leisten kann dabei die Aufmerksamkeitsspanne einer Eintagsfliege bekommen, muss man etwas tun. Zuerst einmal habe ich alle Push-Nachrichten am Smartphone deaktiviert. So bestimme ich selbst, wann ich nachschaue was über WhatsApp reingekommen ist. Das gleiche gilt bei Outlook. Notifications: off.

Die Telefongespräche der Kollegen lassen sich nicht ausschalten, aber auch dafür gibt es eine Lösung: Musik und Kopfhörer. Zuerst habe ich mit Spotify angefangen. Da gibt es reichlich Musik, angeblich über 30 Millionen Titel, in allen möglichen Playlisten sortiert. Also Lieblingsmusik auf die Ohren und los gehts. Man findet sogar Playlists, die für den Fokus während der Arbeit erstellt worden sind, wie z.B. Deep Focus oder Music for concentration. Damit kommt man schon erstaunlich gut durch den Tag, da die akustischen Störer schonmal ausgeblendet sind. Doch Musik beschäftigt auch unser Hirn und lenkt uns ab. Warum das so ist (und noch reichlich mehr Info über Musik zur Unterstützung bei der Arbeit) kann man hier nachlesen.

Die nächste Eskalationsstufe ist, ein bis drei Songs in einer Playlist auf Dauerschleife zu spielen. Auf die Idee hat mich Ben Hardy in diesem Blogpost gebracht. Er schlägt sogar ein paar Songs vor und verweist auf Elizabeth Margulis, die das Phänomen sogar wissenschaftlich untersucht hat. Durch die dauernde Wiederholung wird die Hirnleistung, die ansonsten für die Analyse der Musik notwendig wäre, nach kurzer Zeit eingespart und wieder für die Arbeit frei. Für mich hat dieses System hervorragend funktioniert. Ich habe allderings die drei Lieder auf 5 erweitert. Meine Work Focus Playlist auf Youtube sieht daher so aus: Work Focus mit 5 Songs auf Dauerschleife. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Liedauswahl nicht jedem unbedingt gefällt, aber da ist ja jeder frei sich selbst was auszusuchen.

Die nächste Eskalationsstufe sind dann professionelle, zahlungspflichtige Produkte. Eines davon ist Brain.fm. Hier ist die Musik speziell designt, sodass sie nicht nur störer ausblendet ohne Kapazitäten zu verbrauchen, sondern sogar den Fokus noch verbessern soll. Dies soll über spezielle akustische Signale in der Musik funktionieren, die in ihrer Frequenz auf die Frequenz der Vorgänge im Gehirn abgestimmt sind. Wer das gerne nachlesen will kann das hier tun. Wer einfach mir vertraut: es funktioniert hervorragend. Seit ich bei längeren Fokusphasen brain.fm einsetze bekomme ich in diesen Phasen wirklich Output heraus. Die App funktioniert auch ganz gut. Und ein schönes Extra: man kann auch andere Stimmungen erzeugen (z.B. Meditation oder Entspannung). Der einzige Nachteil: die Musik ist wenig abwechslungsreich.

Das ist der Vorteil bei Focus@will. Hier kann man (ebenfalls kostenpflichtig) aus einem bunten Blumentstrauß verschiedenster Musikstile auswählen. Einige davon bestehen aus “echter” Musik, die speziell ausgewählt und modifiziert wurde, um Störfaktoren zu eliminieren. Einige Musikstile beinhalten auch die zuätzlichen stimulierenden Geräusche, die wir schon von Brain.fm kennen. Zusätzlich bietet focus@will einen Ratgeber, der anhand der Angaben des Users einen Musikstil empfiehlt, der auf die Bedürfnisse (kreative Tätigkeit oder nicht, etc.) am besten passt. Nachteil bei Focus@will: es ist vergleichsweise teuer.

Ich habe mir bei beiden Lösungen die “Lifetime Subscription” gegönnt. Das ist einmalig vergleichsweise teuer (150$ für Brain.fm und 300$ für focus@will) – aber wenn man das Angebot langfristig nutzen möchte (so wie ich), dann kommt man nach einem bzw. zwei Jahren die Gewinnzone gegenüber dem monatlichen Abo. Es gibt bei beiden Anbietern die Möglichkeit auf Probe zu nutzen. Probiert es aus. Bei mir funktioniert es.

Kurze Zusammenfassung: es gibt verschiedene Möglichkeiten sich bei der Arbeit besser zu fokussieren. Einige sind kostenpflichtig, andere kosten nichts. Funktionieren tun sie alle. Und für einen Musiker wie mich ist es doch das schönste, wenn das Lieblingshobby sogar meine Arbeit besser macht.

Den Überblick behalten – Teil 1

In der heutigen Arbeitswelt finden es Viele zunehmend schwer den Überblick zu behalten. Zwischen Meetings, Telefonkonferenzen, Emails, Telefonanrufen und dergleichen mehr soll irgendwie noch die Arbeit erledigt werden. Gleichzeitig wird die Erwartung an schnelle Antworten immer höher, die Komplexität der gewünschten Antwort steigt jedoch gleichzeitig, was eigentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Daher möchte ich hier ein paar Tips geben, wie ich meinen Arbeitsalltag gestalte, um nicht getrieben zu sein, sondern selbst am Steuer zu bleiben.

Überblick (Was)

To-Do-Liste

Ich benutze sie: die klassische To-Do-Liste. Ein simples DIN A4 Blatt, auf dem Tasks aufgeschrieben und nach Abarbeiten gestrichen werden. Das entscheidende an diesem Werkzeug ist, wie man es einsetzt. In meinem Fall ist das so:

Ich habe zwei To-Do-Listen: die eine erstelle ich handschriftlich kurz vor Feierabend für den nächsten Tag. Ein kurzer Blick ins Outlook sagt mir, was für den folgenden Tag ansteht. Ein Blick auf die letzte To-Do-Liste sagt mir, was noch nicht erledigt wurde. Entweder habe ich es nicht geschafft oder es kam am Tag erst neu dazu und ist nicht dringend oder wichtig. Diese Sachen schaffen es nicht auf die To-Do-Liste für den Folgetag, sondern werden in einer digitalen To-Do-Liste (ein simples Word-Dokument) geparkt. Einmal in der Woche wird die digitale To-Do-Liste bei der Wochenplanung (dazu später mehr) geöffnet und geprüft: ist etwas dringend oder wichtig geworden? Hat es sich vielleicht erledigt? Ist etwas abgearbeitet? So werden auch kleinere oder langfristige Maßnahmen nicht vergessen.

Damit das nicht untergeht, habe ich im Outlook einen Dauertermin, der mich kurz vor Feierabend daran erinnert, dass ich diese Aufgabe noch zu erledigen habe und gleichzeitig auch die Zeit blockt – nicht, dass die Kollegen einen Termin reinhauen, man dann gestresst schnell nach Hause muss und der nächste Arbeitstag schon wieder gestresst und fremdgesteuert beginnt.

Mit diesen beiden Listen komme ich prächtig klar. Klar gibt es auch bei mir Tage an denen nicht alles sauber läuft oder eine notwendige Feuerwehraktion alle Planung zerschießt, aber es kommt deutlich seltener vor als früher. Das schönste an der To-Do-Liste ist aber, dass man erledigte Tasks einfach durchstreichen kann. Das fühlt sich einfach gut an (wegen der Dopaminausschüttung).

Souveräne Wochenplanung

Die zweite Maßnahme, mit der ich meinen Arbeitsalltag strukturiere, nennt sich souveräne Wochenplanung und kommt von der Unternehmerin Monika Thoma. In ihrem Beitrag erklärt sie genau wie es funktioniert. Ich wende das System etwas abgewandelt an. Die Grundregel bleibt aber die gleiche: Ich lege meine Ziele für die nächste Zeit fest und stelle dann sicher, dass ich jede Woche etwas zur Erreichung dieser Ziele tue.

Ein Serientermin erinnert mich Freitagsnachmittags daran die nächste Woche zu planen. Zunächst schaue ich mir dann meine 90-Tage-Ziele und meine 30-Tage-Ziele an – sind sie noch aktuell oder hat sich etwas geändert, weil ich z.B. ein Ziel bereits erreicht habe? Sind neue Deadlines reingekommen oder ist etwas dringend geworden? Stehen diese Ziele fest, wird in Outlook die nächste Woche geplant. Dabei gibt es immer reichlich Termine die bereits feststehen – Jour Fixe, Team Meeting, etc. Um diese Termine herum plane ich nun Zeitblöcke ein, die ich für die Erreichung meiner Ziele benötige. Wenn möglich, versuche ich dabei die Zeit vormittags, wenn man noch leistungsfähig und konzentriert ist, für Aufgaben zu reservieren, die Konzentration erfordern (z.B. für Berichte, Versuchsplanungen, das Erstellen von Prüfplänen). Telefonate und Absprachen kommen eher in den Nachmittag. Ich trage dann für diese Aktivitäten tatsächlich in Outlook Termine ein. Das hat den Vorteil, dass die lieben Kollegen sich schwerer tun mir noch kurzfristig irgendwelche Meetings reinzuschieben – das geht dann erst nach Absprache mit mir und ich kann die Entscheidung treffen, ob das Meeting wichtiger oder unwichtiger als die Erreichung meiner Ziele ist. Beachten: niemals die ganze Zeit vollständig verplanen! Es kommt immer noch genug Störfeuer mit dem man umgehen können muss.

Mit diesen beiden Werkzeugen habe ich meine Arbeit so weit im Griff, dass ich den Arbeitsalltag verkraften kann.

 

Fokus (Wie)

Im Großraumbüro ist ständig irgend jemand am telefonieren, irgendjemand latscht vorbei oder sonst etwas passiert – man ist ständig abgelenkt. Aber das lässt sich ändern. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

 

 

Warum bloggen?

Als ich diesen Blog vor über 10 Jahren begann, war ich gerade zum Auslandssemester in Belfast an der Queen’s University. Das war natürlich ein Grund, über meine Erlebnisse zu berichten. Danach habe ich den Blog für über drei Jahre regelmäßig gepflegt, um die Freunde, die ich in Belfast kennengelernt hatte, über mein Leben in Deutschland auf dem laufenden zu halten.

Und nun ist der Zeitpunkt gekommen, mit dem Bloggen wieder anzufangen. Dieses Mal möchte ich den Fokus auf die Arbeitswelt legen. Warum? Weil es mich umtreibt, wie viele Dinge in unserer Arbeitswelt schief laufen. Nicht nur in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, sondern auch in Bezug auf das was wir tun und wie wir es tun. Weil ich es nur schwer ertragen kann, wenn Dinge schief laufen. Weil ich selbst einige Dinge habe schief laufen lassen und auf die harte Tour lernen musste wie es richtig geht. Deshalb möchte ich meine Erfahrung und mein Wissen weitergeben.

Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass es besser geht. Und dazu möchte ich beitragen. Dass bei Ihnen, lieber Leser, die Arbeitsprozesse und Arbeitsweise besser werden können. Ich werde darüber schreiben

  • wie ich versuche im hektischen Alltag nicht den Überblick zu verlieren (gelingt mir auch nicht immer)
  • Welche Methoden und Werkzeuge ich anwende
  • Wie ich versuche meine Zeit effektiv und effizient zu nutzen

Damit hoffe ich, dass ich Ihnen, lieber Leser, auf Ihrem Weg zu einer besseren Arbeitswelt helfen kann.

Ein Vlog zum gleichen Thema gibt es auf meinem Youtube-Kanal.

Ich freue mich natürlich immer über Feedback und weitere Hinweise.

Party Summer

This summer is amazing.

It started with a 50th birthday Tanja and I were invited to. The following weekends braught another birthday, a stag night (I’m going to be a best man,  so I co-organized it), a wedding in Leipzig, another wedding in the Saarland, another wedding in Cologne (that’s later today), and a 30th birthday and a 60th birthday are still ahead.

Fortunately, there is only one event each weekend. Otherwise I wouldn’t have lasted to now…

When I’m not partying I am busy working on the lecture for the next winter term. Work is great fun, my two collegues I share my office with are really nice chaps and I like them a lot. It is challenging, though, trying to compress such different and difficult engineering topics as electrical and magnetical fields, gas discharges, circuit breakers, cables and overland lines, substations and the like, into a coherent and short lecture. Well, we’ll soon see whether  I was fit for the task 😉

So it’s a quite busy summer for me. But I like it – although, admittedly, I’m looking forward to autumn. And anyway, I don’t even remember how it felt NOT to be busy. That’s life, I suppose. And as if it wasn’t already busy enough, I entered the engineering faculty’s football tournament as a goalkeeper for the team of my institute. It was great fun to play football again, but I’v gotten old…all major muscles hurt…

Goalkeeper MaxThat’s me btw, trying to save a penalty.

Big Changes

The last weeks were busy like hell but it finally paid off: Today I went to university to pick up my certificate. I am now officially a post-graduate human being.

HOO-RAY!

Last week Thursday was the day of my final final-exam. Which I passed. And afterwards I rushed from Aachen to Köln and played a first gig with my new Irish Folk Band in a pub.

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From left to right: Florian (banjo), Me (guitar & voice), Andreas (voice) and Simon (fiddle). It was so much fun to play for an audience again. The last time I played a real gig with a band was in September 2003. I managed to squeeze a complete university education between that gig and this one!

I am too, very proud to announce that from Wednesday, 1st of July, I am employed by the IFHT (Institute for High Voltage Technology) at my university. I am very grateful for this job offer because it makes my transition from student to worker very short and smooth. Nothing to compare with others who spend painful weeks or even months looking for a job (especially in these times with an economic crisis going on!)

Well, everything’s fine with me. I’m happy. Really happy. Five and a half years of education finally concluded.

Waiting for wind – this time in Spain

The measurements and tests I mentioned in my last post always take place on-site. Which is logical, as it is rather tiresome to move wind-farms to testing labs.

Last week, I was on-site in Spain. Which was cool. My Spanish is extremely bad, barely sufficient to order food in a restaurant. But the Spanish colleagues speak English and were quite helpful translating. So it was cool.

I felt like I felt so many times before already: Having to do something I before thought would be really cool doing and then not feel cool at all. You know. Like it was before going to university. “It’ll be so cool to be a student” I thought, and then I was at university and it was, like, normal.

But that’s the way it goes, I suppose. Anyway, I’m rather happy with my job.